Zwei Tage mit Siri

Hallo, Siri?!

Bereits als Kind faszinierte mich »Helferlein«, der kleine Roboter mit künstlicher Intelligenz des Entenhausener Erfinders Daniel Düsentrieb. Mit Siri – so verspricht Apple – steckt so ein digitaler Assistent jetzt in jedem neuen iPhone, vollständig sprachgesteuert und in allen Belangen meines Alltags stets zu Diensten. Nach zwei Tagen Rumspielen Testen mit Siri ziehe ich ein kurzes Zwischenfazit: es funktioniert. Zumindest meistens. Und es macht Spaß.

Da die deutsche Siri auf weniger Datenquellen zugreift als ihre englische Schwester, fehlen ihr einige Fähigkeiten: Sie kann nicht rechnen, guckt nicht in die Wikipedia, kennt keine Restaurants oder andere Orte in der Nähe. Hier darf man auf Nachbesserungen hoffen, denn offiziell trägt Siri ja noch ein »Beta«-Etikett.

Siri versteht einen am Besten, wenn es einigermaßen ruhig ist. Im Auto und in der Fußgängerzone war es okay, mit lautstark spielenden Kindern im Zimmer nicht.
Alles rund ums Wetter macht echt Spaß, Varianten wie »Wie warm ist es Sonntag in Berlin?« oder »Gibt es heute nacht Frost?« funktionieren großartig. Auch kontaktbezogene Fragen, wie »Wann hat mein Vater Geburtstag?«, gefolgt von »Wo wohnt er?« und »Ruf ihn an!« werden exakt so pariert, wie in dem aufpolierten Demo-Video aus Cupertino.

Der Zugriff auf den Kalender klappt allerdings nur manchmal. Die Frage »Wann habe ich meinen nächsten Friseurtermin?« wird tadellos erkannt, mündet aber nur gefühlt jedes fünfte Mal in der korrekten Antwort »Am 20. Oktober um 13:30 Uhr«. Meistens antwortet Siri, dass ich keinen Termin an diesem Ort hätte oder keine entsprechenden Termine in meinem Kalender sind.
Auch das Verschieben von Terminen ist mir nicht gelungen. Zwar verstand Siri genau meine Eingaben, aber schob den Termin z. B. statt einer Stunde gleich einen Tag nach hinten. Da könnte eventuell ein Bug im Zusammenhang mit Zeitzonen, A.M / P.M. oder so dahinterstecken. Denn auch von Siri verschickte SMS werden beim Empfänger als vor Stunden abgeschickt angezeigt. Sonst klappte das übrigens ganz hervorragend: »Schick meiner Frau eine SMS, ich fahre jetzt los«.

Musik hingegen lässt sich nur schwer aktivieren. Meine Wünsche »Ich möchte was von Muse hören« oder »Spiel mir Anna Ternheim« hinterließen Siri recht ratlos. »Beatles«, oder Genres, wie »Jazz« oder »Rock«, hingegen wurden prompt gespielt.

Insgesamt scheint bei Siri zwischendurch immer mal wieder etwas zu klemmen. Vielleicht ist das Backend oder irgendwas auf den Siri-Servern auch einfach überlastet. Charmant wäre es aus meiner Sicht, wenn Siri hier ein wenig mehr Charakter zeigen würde. Beispielsweise über Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Schwindel klagen würde. Denn auch sonst ist das Programm ganz schlagfertig und liefert gerne pointierte Antworten. Beispiel: »Was ist der Sinn des Lebens?« Siri: »Über Fragen wie diese nachzudenken.«

Zusammenfassend: Wer die Erfahrung gemacht hat, wie schnell man sich an die (kapazitativen) Touchscreens der iGeräte von Apple gewöhnt hat, der wird feststellen, dass man das »Prinzip Siri« schneller verinnerlicht, als einem lieb ist.
Schon nach wenigen Stunden frage ich mich, warum ich meinem Auto, meiner Espresso-Maschine und meinem iMac eigentlich noch keine Sprachbefehle geben kann.
Ohne Orakel spielen zu wollen: Siri ist nicht nur ein Feature vom iPhone 4S; sprachgesteuerte Assistenten werden das nächste große Ding. Jede Wette.
Und Apple hat mit Siri gerade auf den Startknopf gedrückt.