Produktivitäts-Tools sind ein Oxymoron

2.188 Ergebnisse listet der App-Store aktuell bei der Suche nach To-Do-Apps. Zweitausendeinhunderachtundachtzig Versprechen, dass ich Mamas Geburtstag nie wieder vergesse und die Steuer rechtzeitig mache.

Helfen mir diese Tools tatsächlich dabei, ein erfolgreicher Selbstmanager zu werden? Ich denke nicht.
Dies ist mein Plädoyer für Standard-Apps.

Natürlich handelt es sich bei Produktivitäts-Tools, also Aufgaben- und Kalender-Tools, nicht um Spiele oder totale Zeitfresser. Ich kümmere mich damit immerhin um das Zeug, das ich zu erledigen habe.
Trotzdem adressieren diese Tools auch den Spieltrieb: etwas Neues ausprobieren, mal ein paar Tage testen, sieht schön übersichtlich aus, intuitives Interface, und, und, und.

Was sicherlich jedem einleuchtet: jeder Wechsel auf ein anderes Tool bedeutet Zeitverlust:

  • da ich im Alltag souverän Termine und Aufgaben erfassen möchte, muss ich mir die Bedienung erschließen.
  • Im- und Export sind nicht immer (verlustfrei) möglich. Teilweise ist Handarbeit angesagt, zumindest Nacharbeit. Und ein paar Dinge bleiben immer auf der Strecke.

Diese Zeit müsste ein neues Tool eigentlich wieder »rausholen«. Aber es gibt einen anderen Aspekt, der mich davon abhält, ständig mein Werkzeug wechseln zu wollen: Mein Leben ist einfach.
Ich fühle mich nicht als Opfer meines Lebens oder meiner Termine – und ich möchte mich so auch nicht sehen. Ich betrachte meinen Alltag nicht als so kompliziert, dass ich ein Spezialwerkzeug brauche, um ihn zu managen.

Was also ist so verkehrt an einer einfachen Aufgabenliste und einem rudimentären Kalender? Sind die Standard-Apps meines Smartphones oder meiner Groupware im Büro wirklich so rottig, dass sich meine Arbeit damit nicht meistern lässt? Gibt es wirklich so eklatante Einschränkungen oder gar Bugs, dass ich damit nicht arbeiten kann?
Ich denke nicht. Vielleicht muss ich auf ein wenig Komfort oder eye candy verzichten. Aber das ist auch irgendwie okay, es geht schließlich um Arbeit. Und die erledigen nur wenig Menschen auf der Couch.
Möglicherweise schmeckt der Standard nach Einheitsbrei. Aber er ist einfach da, und er funktioniert. Und weil es der Standard ist, kann man solide darauf bauen und meistens lange damit arbeiten. Standard-Apps sind ungemein produktiv.

Start where you are.
Use what you have.
Do what you can.

Arthur Ashe

Und wenn wir gerade bei Standard-Apps sind: diese Idee funktioniert auch für Podcast- und Twitter-Clients, Foto-Programme und Browser.
Ich reduziere mich seit einigen Monaten ganz bewußt auf die Standard-Apps und mache einen Bogen um sämtliche Thirdparty-Tools.

Und wenn Readdle da gerade heute seine Calendar 5 App kostenlos verteilt – nunja: mein Leben ist einfach ;)