Nils Frahm – Spaces

Cover von »Spaces« Mit »Spaces« hat Nils Frahm vor einigen Wochen ein neues Album veröffentlicht, das man – oberflächlich betrachtet – als Live-Album bezeichnen könnte. Warum so ein Etikett diesem Album aber in keiner Weise gerecht würde, erkläre ich gleich.
Zunächst zur Musik: Nils Frahm kombiniert auf eine wunderbare und, wie ich finde, auch einzigartige Weise zeitgenössische Klassik mit minimalistischen Elektro-Klängen. Ich habe bereits mehrfach sprachlos diesen Arrangements gelauscht, geträumt, spontan angefangen zu grinsen und mit dem Fuß zu wippen. Auf der einen Seite ein Flügel oder Klavier, im rechten Winkel daneben die Klaviatur eines Synthesizers. Aus beiden Instrumenten entlockt Nils Frahm sphärische Klänge, ineinander verwoben, bisweilen undurchdringlich, ekstatisch, dann wieder aufgeräumt klar und präzise.

Während Screws, Nils Frahms Klaviermeditation, einen einlullt und sich komfortabel zu einem guten Buch oder Gespräch konsumieren lässt, geht das mit Spaces nicht. Zumindest nicht durchgängig.

In Spaces hüpfen einem enervierende Stakkati teilweise derart penetrant durch den Gehörgang, dass man bereits leichte Dynamikänderungen als Wohltat empfindet. Gleichzeitig zieht Nils Frahm so die gesamte Aufmerksamkeit in das Stück, auf seine Finger, ja: in einen Raum hinein. Und ganz nebenbei zerfällt damit auch das Etikett eines Live-Albums, denn in Wirklichkeit sind es Räume (»Spaces«, halt), die musikalisch geschaffen werden: die Akustik einer Kirche bei »Went Missing«, das Rauschen des Regens des Tonbandrekorders bei »Over there, It’s Raining« …

Spaces möchte achtsam angehört werden, dafür ist es gemacht – schreibt Nils Frahm im Booklet:

I wonder if it is possible to simply isolate my music from my performances by pressing it on a record, listening to it while vacuum cleaning, or cooking for a friend? I guess Spaces works best if you put it on a record player, with your phone and computer turned off, imaging you were in one room with me, where I play for you.

Wer sich einen Eindruck von dieser Musik und dem Album verschaffen möchte, dem empfehle ich folgende Musik-Videos: Une Soirée de Poche und Nils Frahm – Full Performance (Live on KEXP).

Spaces kann man unter anderem als 320 kbps MP3 auf der Webseite seines Labels Erased Tapes Records kaufen, dort finden sich auch weitere Konzertmitschnitte und ein Interview.

Nachtrag 2. Mai 2014:

Drei Titel von »Spaces« hat Nils Frahm mittlerweile auf Soundcloud veröffentlicht. Ich binde sie hier mit ein: