mit 230 km/h zur Keynote

Nein - nicht nach San Fransisco, aber nach Berlin. Auch nicht zu Apple, sondern zu Microsoft. Keynote auf der Technical Summit Tour 2005. Dank der neuen ICE-Verbindung Hamburg Berlin schafft man es locker in 2,5 Stunden von Lüneburg nach Berlin. Trotzdem ist Aufstehen um 4:30h angesagt - sehr bitter für meinereiner.

In Berlin angekommen und rund 2 Liter Kaffee später, plätschern die Neuheiten aus Redmond in meinen wattemüden Kopf. Auch wenn es einen Großteil der werten Leserschaft an einem Tag wie heute nicht ein Bitchen interessieren wird, berichte ich dennoch ungefragt ein paar Zeilen weiter (und komme dann zu den wichtigen Dingen):

  • Windows Mobile 5.0 bringt endlich ein gemeinsames CAB-Format für Smartphones und CE-Geräte. Außerdem wird der Bodensatz des .net-Frameworks in das ROM der Windophones eingebrannt. Nebenbei auch gleich die neuste Inkarnation des DRM in Form des Mobile Media Players. Apropos: einer der Aussteller verlost einen 20GB iPod und einen iPod Shuffle. Mit dem .net Framework kann bildschirmseitenweise Systemereignisse überwachen. So lassen sich z. B. SMS mit dem Wort »Viagra« gleich löschen.
  • MS SQL Server 2005 »Yukon« bringt eine ganze Reihe Veränderungen für den DB-Admin daher: ein vollständig auf Visual Studio 2005 basierndes Management Studio ersetzt Enterprise Manager, Query Analyzer und was sonst noch bei SQL Server 2000 wuchs und gedieh. XML ist ein echtes Thema geworden und Yukon liefert jede Menge neue Werkzeuge, die ich mir aber alle nochmal in Ruhe anschauen muss.

Dank des AirTrafficControl-Widgets muß ich den Tag nicht Offline verbringen sondern kann dem Aussteller-WLAN ein paar Funkwellen entlocken. Nachdem ich bei der Verlosung der vorbenannten iPods nicht zu den Gewinnern gehörte, schlendere ich wieder gemütlich zum Bahnhof Zoo. Für die Rückfahrt nehme ich eine Direktverbindung nach Lüneburg per IC. Gleich nach dem Einsteigen beziehe ich einen Klappsitz im Fahrradabteil. Bis dorthin haben sich die zahlosen Klassenfahrt- und Rentnergruppen noch nicht vorgewagt. Zudem lächeln mich gleich fünf unbelegte Steckdosen an, und auf die ist mein PowerBook auch dringend angewiesen. Ich freue mich schon auf eine keynoteunterlegte Rückfahrt. Aber irgendwas stimmte mit der Elektrik nicht - keine der Steckdosen liefert neue Lebenskräfte - auch das beherzte Herunhantiere des Schaffners im Sicherungskasten bringt keine Besserung. Derweil trudelt die erste SMS von Macprime.ch ein, dass es bald losgeht: mit der Keynote.

Nachdem der Schaffner nur noch ratlos mit den Schulern zuckt, beginne ich mir den Weg durch die Schüler und Rentner zu bahnen, auf der Suche nach einer Steckdose. Einen Wagen weiter werde ich fündig: neben einem Päärchen, dass ungeheuer großformatige Zeitungen mit ungeheuer vielen Fotos durchblättert und über irgendeine Kampagne philospophiert - sein iBook leuchtet schon gemütlich auf dem Bahnabteiltisch. Mein Netzteil wird von meinen neuen Sitznachbarn sofort hilfsbereit und fachkundig eingedockt und ich entspanne mich ein wenig. Der Weg des IC führt offenbar durch die letzten weißen Flecken auf der GSM-Karte Deutschlands: Weder eine weitere SMS von Macprime kommt, noch kriege ich ein GPRS-Signal. An der nächsten Station stabilisiert sich das Netz kurz, ich erhasche ein paar Zeilen aus der 17. Nacht des Apfels und eine große Schülergruppe verlässt den Wagen.

So wird Platz für mich am Nachbartisch und ich gebe der großformatige-Zeitungen-lesenden Dame ihre Kopffreiheit wieder, indem ich samt Netzteil am Tisch gegenüber eindocke.

Kaum gesetzt, erhebt sich er Typ, der bis eben noch hinter mir saß. Mit einem Schatz von PowerBook 3400c im Arm gesellt er sich - ebenfalls Netzteil in der Hand zu mir. Wir fachsimpeln. Klar Keynote in SF. Hat er von gelesen. Intel und Apple? Wird OS X für x86-Plattformen kommen? Lohnt es sich, mit dem Lötkolben den Frontside-Bus des 3400ers um 5 MHz zu erhöhen? Und immernoch keine SMS.

2wei Powerbooks Etliche Minuten später steht der Zug in der nächsten Station, irgendwo im ehemaligen Zonenrandgebiet. Ich refreshe mac-esssentials.de. Irgendwas mit iTunes und Podcast. Meine Gedanken schweifen über die abendliche Landschaft. Dann ist der Moment, in dem sich die Meldungen überschlagen: eine SMS von macprime.ch, ein Blick in den Senfkeller: die Gerüchte waren wahr: OS X und jedes weitere Software-Projekt wurde offenbar immer für PowerPC und x86 parallel entwickelt: Apple wechselt zu Intel - welch ein Hochverrat. Der verhohnepiepelte Chiphersteller von einst wird Retter und Partner in Crime. Ich sehe mich unbedarften Mitmenschen leidenschaftlich den Unterschied zwischen RISC und CISC erklären. Die Wolken hängen tief hier draußen.

Während Gernot wahrscheinlich feuchte Hände in San Fransisco hat, sitzen wir da: dass Päärchen mit den großformatigen Zeitungen, der Typ mit seinem PowerBook 3400c und ich, träumen vor unseren Äpfeln und fahren in die tiefstehende Sonne Richtung Nordwesten ...