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Lesestoff: Das Frustjobkillerbuch

Das Frustjobkillerbuch

Dieses Buch musste ich kaufen, nachdem ich den Klappentext gelesen hatte:

»Mehr als 85% der arbeitenden Menschen wollen ihren Job wechseln. Nur selten haben wir Menschen getroffen, die morgens in der U-Bahn, auf dem Weg zur Arbeit,ein glückliches Strahlen in ihren Augen hatten. (...) Unsere Untersuchungen haben ergeben, das Sie erstaunen mag: alle Jobs sind gleich. Wir können nicht dadurch zufrieden werden, dass wir ständig nach etwas anderem suchen.(...)«

Das Frustjobkillerbuch stellt klar, dass der Job, den man derzeit hat, bestimmt nicht der Schlimmste ist, aber die eigene Einstellung dazu führt, dass man ihn dafür hält. Wer dieses Buch in die Hand nimmt, sollte sich darüber im Klaren sein, dass die Autoren (Volker Kitz und Manuel Tusch) einen damit ein Stück weit manipulieren möchten. Sie möchten einen anderen – positiveren Blick auf den eigenen Berufsalltag ermöglichen.

Das angenehme daran: es wird keine Denk-Positiv-Brille verordnet oder gebetsmühlenartig ein Alles-so-wunderbar-Mantra vorgeleiert, sondern systematisch vorgegangen. Der erste Teil des Buches beschreibt die sogenannten universellen Job-Probleme: andere kriegen mehr Geld (und dass das immer so ist, egal wieviel man verdient), der Chef lobt mich nie, die Kollegen und Kunden sind immer Grund für Ärger. Diesen Part absolvieren die Autoren so charmant, dass ich beim Lesen regelmäßig grinsen musste, weil ich mich selbst wieder erkannt habe.

Der Zweite Teil des Buches wird dann deutlich persönlicher. Hier bin ich grundsätzlich skeptisch, ob es klug ist, einen Leser alleine vor einem Buch in tiefergehende Selbstanalysen und tendentiell psychologische Fragestellungen zu schicken. Die Verfasser gehen dabei aber durchaus behutsam vor – auch wenn ich selbst nicht alle Aufgaben erledigt habe. Zentral für mich ist die Feststellung der eigenen Verhaltensmuster: so wie ich auf meine Vorgesetzten und Kollegen reagiere, reagiere ich bereits schon länger auf andere mich umgebende Menschen. Wenn es in diesem Bereich also ein Problem gibt, dann hat das nicht nur was mit meinem Job zu tun. Weitere Kapitel widmen sich der gewaltfreien Kommunikation und der Erkenntnis der Mitverantwortung im Büroalltag.

Die krassen Auswirkungen meiner eigenen griesgrämigen Sicht auf den Arbeitstag (»Hab ja so was von kein Bock«, »Montag, das wird bestimmt wieder ätzend heute«, etc.) waren mir vorher überhaupt nicht klar: Es ist eine Selffulfilling Prophecy, die so eine wunderbare Zunkunfssicherheit schafft, weil es dann am Ende des Tages garantiert ätzend war.

Es ist sicher nicht jeder Job gleich, aus einigen Jobs muss man raus, um nicht ernsthaft zu erkranken. Aber nach dieser Lektüre war mir klar: ich bin es, der meinen Job zum Frustjob macht. Nicht mein Job. Dieses Buch ist meine Empfehlung für alle, die in Stellenanzeigen nach ihrer Zukunft suchen.

Lesestoff: Das Frustjobkillerbuch
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