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Ein Monat mit dem EeePC

Nein, der EeePC ist kein PC. Oder ein Laptop. Oder gar ein Ersatz für soetwas.
Der EeePC ist mehr ein ultramobiles Multifunktionsdevice. Also soetwas, wie ein Sony Mylo, ein Palm Foleo oder ein Nokia N810 Internet Tablet. Nur wer sich für eins dieser Geräte erwärmen kann, wird auch am EeePC Interesse haben.

Irgendwie gab es da auch schon mehrere Anläufe. Ich erinnere mich an ultrakleine dünne und schicke Sony VAIOs und die Origami / UMPC-Geschichte von Microsoft. Das waren aber immer Geräte, deren Preis nicht in Relation zur Größe stand. Das tut es aber beim EeePC. Für 299,- € gibts das kleine Computerchen, den Eee 710 Surf, mit 4 GB SSDisk, 512 MB RAM, WLAN, Ethernet und eingebauter Webcam. Rund ein Kilogramm schwer, mit praktischer Neopren-Tasche und in der Grundfläche nur wenig größer, als mein Moleskine.

Seit rund einem Monat begleitet mich nun der Eee, Zeit für einen kleinen Erfahrungsbericht:

Das Gehäuse ist solide und stabil verarbeitet. Mein Gerät ist weiß, oder besser: perleffekt weiß, was ein wenig mac-like ausschaut.
Das Deckelscharnier ist straff, lässt sich nicht mit einer Hand öffnen. Auf der Tastatur lässt sich, nach ein paar Tagen Übung, ganz passabel tippen. Bei diesem Schreibtest schaffe ich rund 430 Zeichen pro Minute. Auf meiner Alltagstastatur (MacBook Pro) liege ich bei rund 500. Das Touchpad ist mir persönlich zu klein und zu fummelig - rudimentäres Scrollen und Klicken klappt aber.

Als Betriebssystem spendiert ASUS dem EeePC ein Xandros Linux, zusätzlich wird eine Art Launcher für die installierten Programme bereitstellt. Der Launcher lässt sich mit ein bißchen Handarbeit deaktivieren, so dass man den vollständigen Xandros Desktop verwenden kann. Auch Windows XP läuft auf dem Eee. Ich muss aber für meinen Teil feststellen, dass ein 7'' Display nichts ist, auf dem ich einen vollständiges Desktop-OS bedienen möchte. Der Launcher lässt sich bequem per Tab- und Cursortasten bedienen, mit Mercury (soetwas wie Quicksilver für Linux) starte ich weitere Programme über ein paar Tasten. Vielversprechend erscheint mir das Projekt Ubuntu Mobile, welches auf Basis von Ubuntu Linux ein Interface für Mini-Computer bereitstellen möchte. Soll aber erst ab Sommer verfügbar sein.
Bis dahin sollte man das eigene Wohlempfinden spürbar steigern, indem man ein anderes Desktoptheme (warum XP-Look?) und einen kleineren Mauszeiger installiert.

Mit Firefox lässt sich im Vollbildmodus ganz passabel browsen. Flash ist auch mit dabei und z. B. mit Google BrowserSync ist man mit wenigen Klicks in gewohnter Umgebung unterwegs. YouTube im Vollbildmodus macht den Eee zum Mäusekino. Und Skype rockt. Muss ich ehrlich sagen. Mit der eingebauten Webcam mit diesem kleinen Gerät eine Vollbild-Videoschalte zu machen, ist einfach nur lässig.
Mit OpenOffice Writer arbeite ich gerne. Das PowerPoint-Pendeant hingegen ist mir zu riskant für wichtige Präsentationen - obwohl der Eee einen VGA-Ausgang vorhält - und für Tabellenkalkulation reicht mir das Display schlicht und einfach nicht aus.

Richtig praktisch ist allerdings, dass man einfach mal eben USB-Sticks und -Festplatten anschließen kann. Oder die Speicherkarte aus dem Fotoapparat einschiebt, um die gerade geschossenen Bilder anzugucken, hochzuladen, etc. Eine Sache, die ich bisher an jedem ultramobilen Gerät vermisst habe.

Videos - auch in 1080er HD-Qualität - laufen auf der kleinen CPU per VLC flüssig, gehen aber stark auf den Akku. Letzter hält bei massiver WLAN-Nutzung - Webradio, Skype, IM, Surfen - knapp 2,5 Stunden. Ohne WLAN und mit halbhellem Display sind 3,5 Stunden Dauerarbeiten drin.

Der Speicherplatz ist mit 4 Gigabyte eher spärlich, zumal die Hälfte bereits vom OS und Anwendungen belegt ist. Mehr Speicherplatz ohne abstehende USB-Geräte schafft man sich aber ganz entspannt mit einer großen SD-Card.

An der heimischen Stereoanlage macht sich der Eee übrigens ganz passabel als Webradio.

Mein Fazit: der Eee ist das beste mobile Gerät in der Klasse zwischen Notebook und Mobiltelefon, dass ich jemals benutzt habe. Aufgrund seines geringen Gewichts und den kleinen Abmessungen begleitet er mich quasi täglich. Dabei hat sich der Eee-PC zugleich als nützliches Werkzeug und angenehmer Zeitvertreib etabliert. Die Kompromisse in der verbauten Hardware sind bei dem Preis auf jeden Fall hinnehmbar.

Ein Monat mit dem EeePC
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