7 Wochen ohne Twitter

Mit Beginn der Fastenzeit vor sieben Wochen hab ich mich dieses Jahr von Twitter verabschiedet, und zwar gründlich: Alle Clients deinstalliert, meinen Twitteraccount aus i- und MacOS entfernt.
Seit 5½ Jahren gehört der Kurzmitteilungsdienst mit dem blauen Vogel zu meiner täglichen Informationsquelle. Und zwar mittlerweile konsequent als mein einziges, regelmäßig genutztes soziales Netzwerk. Kein Facebook, kein Google+ – auf App.net habe ich mir vorsichtshalber mal meinen Namen reserviert, derzeit poste ich dort aber nicht.

Eine 7-wöchige Abkehr stand nicht primär unter dem Aspekt der Askese und Besinnung.
Viel mehr wollte ich ausprobieren, wie es ohne ist. Eine Art Selbstversuch, um herauszufinden, wie wichtig Twitter für mich ist.

Bei den Medien-Ereignissen in den letzten Wochen habe ich mir ein paar mal vorgestellt, welche Witze im Twitterversum gerade herumgereicht werden. Zum zurückgetretenen und zum neuen Papst zum Beispiel. Zum Siechtum mit Ansage vom Google Reader. Oder zur Situation in Zypern. Zum neuen Schweiger-Tatort. Zum nicht enden wollenden Winter. Aber ganz ehrlich: davon habe ich nichts vermisst.

Twitter bewirft mich den ganzen Tag, so psychologisch gesehen, mit kleinen Süßigkeiten und Kamelle. Seit sieben Wochen habe ich mich stattdessen bei Bedarf ganz gepflegt an meinen RSS-Reader gesetzt. Slow-Food, quasi. Und dabei hat mir – rein informationstechnisch – nichts gefehlt. Es hat mir sogar gut gefallen. So gut, dass ich es gerne so beibehalten möchte. Böse Zungen mögen gerne behaupten, es hätte mit meinem fortschreitendem Alter zu tun, steigendes Ruhebedürfnis und so weiter.

Aber gefehlt hat mir trotzdem etwas.

Und zwar alles das, was Twitter neben Neuigkeiten und Krams und miesen Jokes noch transportiert.
Ich würde sagen, ich habe die Leute auf Twitter einfach vermisst. »Meine« Leute.
Nun tummelt sich nicht gerade mein engster Freundeskreis auf Twitter, von @stitzl, @ceguenther und @klampi mal abgesehen. Aber in der Zeit, in der ich mich bloggend, twitternd sprechend im Internet bewege, sind mir einige Menschen doch irgendwie ans Herz gewachsen. So wie @RobLen, den ich seit 15 Jahren online kenne (aber noch nie getroffen habe). Oder der @slith76, @admartinator und @nasendackel – Bekannte aus elbewerk-Zeiten.

Und natürlich die Jungs von @bitsunsdo, @fscklog und @iphoneblog. Twitter verbindet mich mit diesen Leuten, ihre Kommentare zu bestimmten Themen – oder auch ihr Schweigen – sind mir wertvoll. Mir fehlten die Menschen, denen ich auf Twitter folge, meine Blase, mein sozialer Schleim.

Insofern: schön, dass mein selbst auferlegtes Twitterfasten zu Ende ist.
Ich werde sparsamer mit der Droge der Instant-Nachrichten sein, aber ich möchte nicht auf die interessanten und inspirierenden Menschen verzichten.

Weitere interessante Links, die mir in diesem Zusammenhang über den Weg gelaufen sind:

  • Adam Brault: »I quit Twitter for a month and it completely changed my thinking about mostly everything.«
  • SZ.de: »Ein Loblied auf die Einsamkeit«
  • The Atlantic: »'Plug In Better': A Manifesto«