So an der Schnittstelle von Bürokratie und Informationsgesellschaft begegnen einem manchmal interessante Tatsachen. Heute mal etwas aus dem Thema »sprachliche Realitäten«.
In der deutschen Sprache, also quasi im Erfindungsland der Bürokratie (ja – ich weiß, das ist jetzt ein wenig unscharf) gibt es schlichtweg kein Wort, das die Tätigkeit einer öffentlichen Verwaltung beschreibt. Konkreter: es gibt keinen treffenden Begriff für den bürger- oder unternehmensbezogenen Output einer Verwaltungseinheit. Ausser verwalten, versteht sich.
Verwaltung erscheint – rein sprachlich betrachtet – als etwas Übergeordnetes, dass sich aus einer paragraphensicheren Machthöhe herabbeugt, um hoheitlich tätig zu werden. Sie erteilt dann Genehmigungen, Zulassungsurkunden, Untersagungen oder verhängt ein Bußgeld. Doch wie kann man dieses Handeln der Verwaltung bezeichnen?
Immer dann, wenn es darum geht, beispielsweise für Webseiten einen Begriff hierfür festzulegen, sieht man in den Gesichtern aller kreativen Wortfinder und Phrasenkreateure das blanke Entsetzen.
Handelt es sich um eine »Verwaltungs-Dienstleistung«? Vielleicht. Passt dann aber nur für eine Teilmenge des Verwaltungshandelns. Wer empfindet das Blitzer-Foto schon als Dienstleistung? Eher ein Dienst an der Allgemeinheit, um Gefahren durch zu schnelles Fahren zu verhindern.
Also einfach nur »Dienst«? Verwaltungs-Dienst klingt dann aber doch mehr nach soetwas wie Notdienst. Oder Seuchen-Dienst.
Könnte es dann ein »Service« sein? Mal ehrlich. Service? Zwei Stunden in der Zulassungsstelle rumzusitzen für einen Stempel? Oder eine Steuererklärung machen zu müssen? Das ist nicht mal schlechter Service, das ist einfach keiner. Zumindest nicht pauschal.
Bleiben wir doch mal bei Leistung. Das ist doch schön neutral und könnte ein Ausweg aus der linguistischen Misere sein. Aber hier wird die Luft auch schnell dünn: da gibt es nämlich mitteilungspflichtige Tatbestände, zum Beispiel im Gewerbebereich. Anzeigepflicht kennt man auch in anderen Rechtsbereichen. Die Leistung der Verwaltung besteht in diesem Fall darin, diese Mitteilung anzunehmen. Respekt! Aber Leistung?
Zuguterletzt ein Vorschlag, der heute gemacht wurde: Formalität. Passt irgendwie. Fühlt sich auch so an, wie das, was die Verwaltung macht. Aber darf man diesen Begriff als moderne Verwaltung überhaupt noch verwenden? Eher nicht.
Aus meiner Sicht bleibt diese Frage offen.
Ich postuliere somit vorsorglich mal für alle künftigen Wortfindungs-Diskussionsrunden das Theorem:
Sprachlich gesehen hat öffentliche Verwaltung sich bisher nicht als etwas Tätiges manifestiert.
Wie gesagt: ich beschränke mich in dieser Feststellung mal auf den sprachlichen Blickwinkel. :-)

