Archiv aus der Kategorie egov


11
Jun 09

Was tut eigentlich eine Behörde?

So an der Schnittstelle von Bürokratie und Informationsgesellschaft begegnen einem manchmal interessante Tatsachen. Heute mal etwas aus dem Thema »sprachliche Realitäten«.
In der deutschen Sprache, also quasi im Erfindungsland der Bürokratie (ja – ich weiß, das ist jetzt ein wenig unscharf) gibt es schlichtweg kein Wort, das die Tätigkeit einer öffentlichen Verwaltung beschreibt. Konkreter: es gibt keinen treffenden Begriff für den bürger- oder unternehmensbezogenen Output einer Verwaltungseinheit. Ausser verwalten, versteht sich.

Verwaltung erscheint – rein sprachlich betrachtet – als etwas Übergeordnetes, dass sich aus einer paragraphensicheren Machthöhe herabbeugt, um hoheitlich tätig zu werden. Sie erteilt dann Genehmigungen, Zulassungsurkunden, Untersagungen oder verhängt ein Bußgeld. Doch wie kann man dieses Handeln der Verwaltung bezeichnen?

Immer dann, wenn es darum geht, beispielsweise für Webseiten einen Begriff hierfür festzulegen, sieht man in den Gesichtern aller kreativen Wortfinder und Phrasenkreateure das blanke Entsetzen.

Handelt es sich um eine »Verwaltungs-Dienstleistung«? Vielleicht. Passt dann aber nur für eine Teilmenge des Verwaltungshandelns. Wer empfindet das Blitzer-Foto schon als Dienstleistung? Eher ein Dienst an der Allgemeinheit, um Gefahren durch zu schnelles Fahren zu verhindern.

Also einfach nur »Dienst«? Verwaltungs-Dienst klingt dann aber doch mehr nach soetwas wie Notdienst. Oder Seuchen-Dienst.

Könnte es dann ein »Service« sein? Mal ehrlich. Service? Zwei Stunden in der Zulassungsstelle rumzusitzen für einen Stempel? Oder eine Steuererklärung machen zu müssen? Das ist nicht mal schlechter Service, das ist einfach keiner. Zumindest nicht pauschal.

Bleiben wir doch mal bei Leistung. Das ist doch schön neutral und könnte ein Ausweg aus der linguistischen Misere sein. Aber hier wird die Luft auch schnell dünn: da gibt es nämlich mitteilungspflichtige Tatbestände, zum Beispiel im Gewerbebereich. Anzeigepflicht kennt man auch in anderen Rechtsbereichen. Die Leistung der Verwaltung besteht in diesem Fall darin, diese Mitteilung anzunehmen. Respekt! Aber Leistung?

Zuguterletzt ein Vorschlag, der heute gemacht wurde: Formalität. Passt irgendwie. Fühlt sich auch so an, wie das, was die Verwaltung macht. Aber darf man diesen Begriff als moderne Verwaltung überhaupt noch verwenden? Eher nicht.

Aus meiner Sicht bleibt diese Frage offen.

Ich postuliere somit vorsorglich mal für alle künftigen Wortfindungs-Diskussionsrunden das Theorem:

Sprachlich gesehen hat öffentliche Verwaltung sich bisher nicht als etwas Tätiges manifestiert.

Wie gesagt: ich beschränke mich in dieser Feststellung mal auf den sprachlichen Blickwinkel. :-)


20
Nov 08

Bericht vom nationalen IT-Gipfel

Bester Bericht ever. Danke, vowe.


6
Mrz 08

Auf zur CeBIT

Niedersachsen

Heute ist mein CeBIT-Tag. Platte Füße und dicker Kopf sind schon bestellt. Mittags wird der Bürger- und Unternehmensservice für Niedersachsen am niedersächsischen Landesstand (Halle 9, Stand B22) durch Innenminister Schünemann live geschaltet. Ich vermute einen großen roten Buzzer-Knopf, wie üblich. Durfte als Pilotanwender an diesem Projekt mitarbeiten.

Werde übrigens sporadisch über Entdeckungen auf der größten SpielzeugComputermesse der Welt twittern.


18
Sep 07

Komcom NRW 2007

Bin unterwegs nach Essen zur Komcom.
Im Praxisforum 1 um 14:00 Uhr präsentiere ich die interkommunale E-Government-Kooperation im nördlichen Niedersachsen.
Welche Vision treibt uns? Wie machen wir das organisatorisch? Welche Projekte liefen in den letzten Jahren? Warum läuft nicht immer alles glatt?

Hier die Präsentation (alle Rechte bei meinem Arbeitgeber):


19
Sep 05

Deutlich

Bislang wähnte ich mich, den Sinngehalt des Wortes »deutlich« erfasst zu haben. Nach gestern Abend schleicht leise Irritation durch meine Wertewelt: es gibt einen deutlichen Regierungsauftrag, zahlreiche deutliche Sieger der Wahl sowie einen deutlichen Wählerwillen.

Deutlich dürfte auch sein, dass alle Parteien wahrscheinlich gleich in den ersten Tagen nach der Wahl eins ihrer Wahlversprechen brechen: nämlich, mit wem sie alles niemals nicht koalieren werden.

Was ich am Wahlabend so getrieben habe, kann man hier und hier sehen (ja: es ist kein Mac …).

Die beste und deutlichste Zusammenfassung der Wahl bekommt man natürlich in der Bundestagskantine (MP3, 2,46 MByte) von Radio Hamburg.


14
Jan 05

Beamtendichte

Entgegen der „gefühlten“ Beamtendichte in Deutschland gibt es hierzulande vergleichsweise wenige Staatsdiener. Das Ifo-Institut hat in einer Untersuchung herausgefunden, dass Deutschland im internationalen Vergleich nur auf den hinteren Plätzen zu finden ist. In Dänemark und Schweden etwa ist ein Drittel der Arbeitnehmer im Staatsdienst beschäftigt, in Großbritannien sind es 22 Prozent und in den USA 16 Prozent. Die deutsche Quote beträgt dagegen nur 12,5 Prozent und findet sich hier auf einer Stufe mit Luxemburg und Japan. Das Institut stellt aber gleichzeitig fest, dass die deutschen Beamten mindestens so effizient arbeiten wie ihre Kollegen in anderen Ländern; sie hätten den internationalen Vergleich nicht zu scheuen.

(Quelle: Rundblick Nord-Report, nicht verlinkbar)

Na also: Wie Jürgen von der Lippe schon sagte: »Nichts gegen die Beamten – die tun doch nichts!«


25
Mai 04

Denkfragment III

Eine Bürokratie nährt die Illusion, man brauche über vieles nicht mehr nachzudenken.

R. Birkenstock, gefunden in brand eins 04/04