An dieser Nachricht kam man in der letzten Woche eigentlich nicht vorbei: Google hat ein eigenes Betriebssystem angekündigt: das Chrome OS. Selbst in einer regionalen Tageszeitung, wie der hiesigen Landeszeitung schaffte es dieses Thema auf die Titelseite.
Überraschend und interessant finden das die einen, Bedrohung und Indiz für Googles imperalistischen Datenkrakenpläne wähnen die anderen dahinter.
Meine 2ct zu dem Thema zielen auf zwei Details dieser Angkündigung: den offensichtlichen Fokus auf Netbooks sowie die Rolle von Apple und Microsoft an dieser Stelle. Und auf die Frage: brauchen Netbooks ein neues OS?
Zuerst die Sache mit Microsoft, Apple und den Netbooks: Hier streut Google aus meiner Sicht eine Prise Salz in Wunden von Microsoft und Apple
- Microsoft hat bereits 2006 mit Projekten wie dem UMPC / Origami den Netbook-Trend prognostiziert. Musste dann aber gleichzeitig mit ansehen, das ihr ablösungswürdiges Windows XP so zu ungewünschten Ehren kam (und Windows Mobile weiter vor sich hin gammelt), ohne das man den Trend wirklich nutzen konnte.
- Bei Apple schlawenzelt man seit Monaten öffentlich um die Netbooks herum, die Gerüchteküche mutmaßte eigentlich die Vorstellung eines entsprechenden Gerätes zur WWDS im Sommer. Allerdings lauten die offiziellen Aussagen zuletzt im April dieses Jahres anlässlich der Quartalskonferenz von Tim Cook: »gequetschte Tastaturen, grässliche Software, schrottige Hardware und zu kleine Displays.« Ergo: Netbooks seien nicht mehr als Schrott, das wolle man nicht bauen. Stattdessen haben man ja das iPhone. Nee – eben nicht. Das iPhone ist ein Telefon mit fantastischen Möglichkeiten, aber eben kein Computer, Apple.
Netbooks sind extrem praktisch, gerade weil sie eine benutzbare Tastatur haben. Auch wenn mein EeePC bereits wieder zu den vorsintflutlichen Modellen zählt, bin ich von diesem Konzept nach wie vor überzeugt und nutze ihn fast täglich (gerade übrigens zum Schreiben dieses Blogpostings).
Zu meiner zweiten Frage – brauchen die Netbooks ein eigenes OS? Ich denke, ja. Ein Netbook hängt genau zwischen Handy und Notebook, und ein richtig dafür passendes OS gibt es bisher in beiden Welten nicht. Vieles von dem, was im Hintergrund an Prozessen und Diensten bereitgestellt wird, ist auf einem Netbook überflüssig. Angepasste Unix-Derivate wie EasyPeasy a. k a. Ubuntu EEE oder Jolicloud bleiben auf der anderen Seite oft halbherzige Kastrate. Und alle PC-Systeme haben aus meiner Sicht einen grundsätzlichen Designfehler: sie entstammen in ihrer Philosophie der Zeit vor der Cloud. Hier etwas neues zu stricken, das schlank und webservice-orientiert arbeitet, ist ein hochinteressanter Ansatz. Es ist der reinkarnierte ThinClient für das Netz, der Cloudcomputer. Der WIRED hat diese Aspekte übrigens in seinem Artikel »5 Five Things Google’s Chrome OS Will Do for Your Netbook« prägnant beleuchtet.
Und was den Ansatz der Handy-Betriebssysteme für Netbooks betrifft: hier bin ich zurückhaltend bis abwartend. Aber solange sich auf einem i386er Android oder einem iPhone OS kein Firefox installieren lässt, bleibe ich da eher Skeptiker.
Am Rande bemerkenswert finde ich übrigens, dass Google hier nicht einfach mal wieder Einkaufen geht (wie bei Picasa, Google Docs, Blogger oder anderen) sondern tatsächlich etwas Neues baut. Nachtrag 13.07.: ja – auch wenn es sich im Kern um ein *ix-System handeln soll.
Darüberhinaus
Tags: chrome, eee, linux, mac, netbook
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Hi Stef, grds. stimme ich Dir da zu, aaaaaaaaber:
Die große “Markt-Frage” ist doch::
Brauchen (WOLLEN) Netbook-Nutzer ein neues OS?
Klaro, die von Dir angeführten Punkte sind dann alle schon sinnvoll. Die Menschen, die ein Netbook mit 10″, 160 GB HDD kaufen sind jedoch vermutlich recht froh, dass sie für knapp über 300 Euro ein für den Preis performantes XP-System bekommen, welches sie in der Bedienung dank ihres XP-PCs für ihre Zwecke dann wohl gleich beherrschen!?!?!? (sorry das ich Mac OS mal wieder ausblende, aber ihr habt ja euer iPhone *g*)
“Linux auf dem Netbook, was ich günstig mit nem XP geschossen habe?” Evtl. bin ich inzwischen von der faktischen Marktmacht der Firma Mircrosoft voreingenommen. Oder ist es die Dummheit der Käufer selbst zu entscheiden? Oder sind es gar die Wirtschaftsinteressen der Hardwarehersteller, alle Produktlinien am Leben zu erhalten um einen möglichst hohen Gewinn erzielen zu können?
Könnte aus taktischer Sicht sehr spannend werden. Ob es den Nutzern weiterhilft erdreiste ich mich jetzt schon es zu bezweifeln!