Kein iPhone, aber ein ePhone. Das Nokia E65. Nach dem unerwartet frühen Ableben meines SE K700i (Tod durch Überfahren) war vor sechs Wochen ein neues Gerät fällig.
Nach einigem hin und her habe ich mich für ein E-Serien-Gerät aus Helsinki entschieden. Klar: das E65 ist nicht erst seit gestern erhältlich, deswegen spare ich mir hier große Bildergallerien und viele Worte zum Funktionsumfang. Wer diesbezüglich noch Informationsbedarf hat: ein guter Bericht ist bei All About Symbian und bei Nokia gibts die offiziellen Spezifikationen.
Das Telefon liegt nett in der Hand, ist schön flach und erträglich im Gewicht. Die Rückseite ist aus weich schimmerndem Lederimitat und vorne glänzt es wie Chrom. Die Farbe nennt Nokia »Moccha«, was sich natürlich netter anhört, als »braun«. Ein passendes Theme kann man bei Nokia kostenlos runterladen. Ich würde für dieses Design nicht unbedingt einen Preis vergeben, das Kommitee von aber red dot schon: den red dot award für product design 2007. Die eingebaute Mechanik des Sliders zieht das Telefon mit einem herrlichen Klacken entweder auf oder zu – das macht echt süchtig. Zusammen mit der etwas schrägen Farbe weckt das E65 starke Erinnerungen an mein altes Nokia 7110. Im Vergleich zu anderen Nokia Sliders empfinde ich die Verarbeitung als echt solide und stabil. Bei der Hardware stört mich nur das Summen der Tastaturbeleuchtung. Keine Ahnung, ob das bei allen Geräten so ist, aber das ist schon ein bißchen arm. Dank Helligkeitssensor summts nicht immer. Sondern nur beim Surfen im Bett.
Einen echten Bock geschossen hat Nokia sich auch mit der Video-Telefon-Funktion. Nicht, dass ich die täglich nutze, aber das E65 hat nur eine Kamera. Auf der Rückseite. Falls mich also jemand per Video anruft, kann er meine Schuhe betrachten. Ich wackel auch gerne mal mit den Zehen. Nein: ich kann ein Standbild von mir festlegen. Immerhin.
Auch ziemlich Mau ist der Medienplayer: sieht einfach nur rottig aus, unterstützt keine Coverart, keine iTunes-AAC-Tags und keine iTunes-Plus-Tracks. Und die Bilder von der Kamera sind wirklich nur für Schnappschüsse geeignet.
Das war’s dann aber auch mit Meckern: der Rest ist ziemlich genial. Mit dem WebKit-Browser surft es sich ganz passabel und überraschend fix – kein Vergleich mit Opera Mini. Der Verlauf der besuchten Webseiten wird übersichtlich mit Mini-Ansichten dargestellt. An Bord sind Programme für die gängigsten Dateiformate: Adobe Reader LE 1.5, Flash, Word-, Excel- und Powerpointviewer. ZIP-Dateien lassen sich ein- und auspacken, sogar Drucken kann ich direkt vom Telefon, wahlweise per Bluetooth oder per WLAN.
Die Sprachausgabe liest mir eingegangene SMS vor oder sagt mir die Uhrzeit, Anrufe lassen sich per Sprachwahl starten, ohne vorher 5mal den Namen ins Telefon souffliert zu haben. Einige Dinge laufen bisweilen etwas träge, echt nervig ist es für mich aber nur bei der sogenannten Galerie für Bilder Videos und Töne. Ich öffne die Dateien daher lieber über den Dateimanager.
Wirklich klasse – und damit komme ich zu meinem Hauptkaufargument – ist die Integration am Mac: Nokia stellt nicht nur ein offizielles iSync-Plugin sondern auch den Nokia Multimedia Transfer kostenlos zur Verfügung. Das iSync-Plugin klappt 1a bei Adressen; Kalender ist irgendwie hakelig, besonders bei den Geburtstagen oder anderen ganztägigen Ereignissen. Dafür punktet der Multimedia-Transfer extra: Sowohl in iTunes als auch in iPhoto lässt sich ein Ordner anlegen, deren Inhalte dann automatisch mit dem Telefon abgeglichen werden. Nix besonderes, dachte ich erst, bis ich kapiert habe, das beim Abgleich die Bilder automatisch auf Telefondisplaygröße skaliert und Videos aus iTunes ins entsprechende Format konvertiert werden – on the fly! Also: sämtliche Video-Podcasts aus iTunes lassen sich ohne Probleme auf dem E65 angucken. Ich muss eingestehen, dass ich zunächst mit ffmpegX herumprobiert hatte, um eine sinnvolle Einstellung zu finden.
Insgesamt bin ich mit diesem Telefon ganz zufrieden – wer sich den Leistungsumfang des E61i wünscht, ohne dabei ständig gefragt zu werden, warum er mit seinem Taschenrechner redet, sollte sich das E65 mal näher ansehen. Und wem das iPhone zu teuer ist: jedes Symbian-Smartphone kann mehr. Zum Beispiel so banales, wie SMS weiterleiten. Oder Dateien per Bluetooth austauschen. Ganz legal, aber natürlich nicht ganz so elegant.
Eine richtig runde Sache wird das E65 aber erst mit der passenden Software. Dazu lasse ich mich im nächsten Teil aus – selbe Stelle, selbe Welle =)
In Zeiten wie diesen noch ein Nokia?
Ja. Nicht jeder ist Ölscheich und kann sich das iPhone leisten …
Naja, Prioritäten halt. Muss dein Sohn wirklich jeden Tag essen? Braucht man die Wohnung wirklich? ;)
Mist – soweit hatte ich noch gar nicht gedacht.
Naja, as iPhone ist doch alt. Kein Handy ist knapp ein Jahr alt, ohne dass nicht schon ein Nachfolgemodell in der Pipeline steckt. Januar?
Handy hin oder Handy her … ich hab ja längst den iPhone Nachfolger in einem etwas älteren Beitrag hier entwickelt … Steve liest ja mit.
Aber zum Thema. Die E-Serie gefällt mir. Ich selbst hab zur Zeit ein Motor Roller v3i mit selbst geflashter Firmware auf v3i + m = iTunes … zusammen mit einer 1 GB Speicherkarte ist es ein Handy das von mir ein “super” bekommt. Das haben davor höchstens die Communicator Modelle von Nokia bekommen, aber das E90 ist auch mir noch ein bisschen zu kosten intensiv. Verständlicherweise.